CD Review 8/10 P.
Mit ihrem
zweiten Langspielalbum brachen MENHIR knapp vor der letzten Jahrtausendwende
nicht nur eine dicke Lanze für Gegenwart und Historie ihrer Heimatregion –
sondern auch für den Pagan Metal an sich. Im Oktober 1996 unterzeichneten
MENHIR einen Vertrag beim nicht mehr existenten Frankfurter Tonträgerverlag Ars
Metalli – dessen damaliger maskuliner Inhaber im Laufe der nachfolgenden Zeit
bekanntlich vom Mann zur „Frau“ mutierte. Eine Nachpressung von „Thuringia“ zirkuliert
mittlerweile im Underground, somit besteht noch immer Gelegenheit, sich diesen
edlen Metier-Meilenstein ins Haus zu holen. Fest steht: Das zeitlos famose
Heidenwerk kann mittlerweile getrost als absoluter Genreklassiker gewürdigt
werden. Merklich durchdachte, deutschsprachige Kompositionen mit knapp 40
Minuten Gesamtspieldauer gilt es hier kultiviert zu genießen – darunter eine
stimmungsvolle Introduktion als auch die abschließende Nachspielversion des
alten Bathory-Klassikers `Woman Of Dark Desires`. Letzteres Lied will jedoch
meiner Meinung nach so gar nicht zum sonstigen identitätsreichen Material
passen. Der mit mannigfaltigen schmissig-heroischen Saitenmelodien, ausladend
epischen Tastenklängen und viehisch-aggressiven Gesangslinien geradezu massiv
beladene Kriegersilberteller spiegelt auf alle Fälle nicht nur die innigliche
Heimatliebe der außerordentlich talentierten Thüringer Naturverehrer wieder,
sondern transportiert auch die gigantische musikalische Ambitioniertheit der
Beteiligten in wirkungsvoller Weise ins geneigte Ohr. Damals, kurz nach
Erscheinen wurde das Ganze noch oftmals als „germanischer“ beziehungsweise
„keltischer Black Metal“ beschrieben, was am überwiegend bestialischen
Angriffsgesang liegt. Auch von „Viking Metal-Querverweisen“ war die Rede.
Majestätisch und erhaben in der Anmut musiziert das Breitunger Quartett seine
Lieder, die zu einem großen Anteil ziemlich flott getaktet sind. Mit
stolz-heroischen Klargesängen geschmückt, offenbart das eingängige heidnische
Liedgut den Hörern auch einiges Sehnsüchtiges in Form von
opulent-schwärmerischen Zwischenspielen. Überaus wohltuend mutet es für mich
daneben noch immer an, dass diese hörbar beflissenen ostdeutschen Musikanten
den Geist ihrer einzigartigen Ahnenmusik auch auf „Thuringia“ nicht wie so
viele andere Protagonisten durch skandinavische Vorgaben verwässerten, sondern
absolut eigenständig vorgingen – und dies glücklicher Weise auch heutzutage
noch tun.
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Review by Markus Eck
www.Metalmessage.de
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