Digipack 7/10 Der Sieg gebührt nicht immer den Schnellsten oder den Härtesten, sondern mitunter auch denen, die unerschütterlich an sich glauben und eisern durchhalten. Diese während der gesamten Menschheitshistorie unwiderlegbare Weisheit trifft zweifelsohne auf die mittlerweile seit mehr als 20 Jahren aktiven kanadischen Metal-Urgesteine Anvil zu. 1977 in Toronto von Gitarrist und Sänger Steve Kudlow alias Lips und Schlagzeuger Robb Reiner unter dem damaligen ersten Bandnamen Lips gegründet, erfolgte um 1981 herum die hinsichtlich der erzeugten Klänge dringlich erforderliche Umbenennung in Anvil. Bedeutet aus dem englischen übersetzt „Amboss“ – und genau mit der enormen Aufschlagswucht eines solchen gusseisernen Schmiedeblocks trifft auch „Speed Of Sound“ auf deine Ohren. Mit diesem 99er Album, übrigens dem zehnten in der Bandhistorie, zementiert das beständige Quartett aus dem Land des Ahornsirups zum erneuten Male seinen starken Status als feste Heavy/Power Metal-Bastion innerhalb des Genres. Eines sehr hart und höllisch heiß umkämpften Genres, in welchem sich viele einst verheißungsvoll gestartete vergleichbare Acts aus verständlichem Erfolgsstreben heraus mit der Zeit stilistisch untreu wurden. Dadurch aber das exakte Gegenteil erreichten und letztendlich aufgebend resignierten – weniger verständlich. Besteigen wir also den kampfstarken Ambossbomber, welcher auf dem mit viel Detailverliebtheit gestalteten Albumcover von „Speed Of Sound“ mit schwerer Raketenbestückung zu sehen ist – Feindflugmission zum nächstgelegenen Techno-Bunker? Ein optisch überaus erfrischendes Highlight, welches der Scheibe auch heute noch einen sehr hohen Wiedererkennungswert sichert. Hoch oben über den Wolken durchbricht er scheinbar mit Mach 3 die Schallmauer der ungezügelten Spielfreude gleich dreifach, um so ganz nebenbei auch gleich noch ein paar Rap- und Hip Hop-Nester auszuheben. Hoch oben über den imaginären Wolken der Langeweile und Inkompetenz brettern auch Anvil das gnadenlose Material von „Speed Of Sound“ runter. Wie gewohnt enorm druckvoll holzt sich Langzeit-Drummer Robb Reiner durch die Tracklist, während auch Lips und der Rest der Band nichts von ihrer Begeisterung für die erzeugten Klänge eingebüßt zu haben scheinen. Der rüde Charme dieser mitunter recht temporeichen Scheibe, welcher wie zu erwarten erneut hauptsächlich in der vollkommen auf den Punkt gespielten Unkompliziertheit des gesamten Songmaterials fußt, eröffnet sich recht schnell schon während der ersten Kompositionen. Szeneoriginal Lips macht lt. eigener Aussage nämlich immer genau das, worauf er gerade Lust hat – zu vernehmen in jedem Song, den der unverwüstliche Naturbursche auf „Speed Of Sound“ mit seiner markanten Röhre intoniert. Anvil erweisen sich auch auf diesem Album als eine fest verschweißte Einheit aus überaus virtuosen Idealisten, die mit Inbrunst an ihrer Überzeugung festhalten. Die angewandte Physik kennt die Geschwindigkeit des Schalls („Speed Of Sound“) – du hingegen brauchst glücklicherweise keinerlei wissenschaftliche Vorkenntnisse, um dich ungehindert an den zehn urkräftigen Liedern dieses fetzigen Langspielers zu laben, welche stellenweise ebenso schallschnell sind. Aberwitzige Songtitel wie „Deadbeat Dead“ oder „Matress Mambo“ legen erneut eindeutig zweideutig nahe, dass es ein weiteres Mal mittels lyrischer Ironie ans Eingemachte geht. Also eine für sich einnehmende Verkettung glücklicher musikalischer Umstände, welche einem gestandenen Metaller mit einer ebensolchen Kette vor Begeisterung schier die Luft abzuwürgen imstande ist. Innovationen wurden und werden natürlich auch hier wieder von einigen notorischen Nörglern bemängelt werden, aber eine Band wie Anvil hat nur deswegen eine für diese knallharte Musikbranche geradezu unglaublich lange Existenzzeitspanne überstanden, weil die Fans der Anfänge sich auch mit dem neueren Material erwärmen können – und den Kanadiern seit damals die Stange halten. Eine solche registriere nun auch ich an mir; ein nur natürlicher Körperreflex auf solch gelungenes Liedgut, wie ich meine. - Markus Eck www.metalmessage.de Online-Magazin
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