CD 8/10 Punkte
Potz Blitz, da kommt nach Thiasos Dionysos eine weitere gelungene Überraschung
in Sachen zackigem Humppa-Viking Metal daher – diese junge bayerische Fellwams-Horde
steckt ihren musikalischen Pfad mit enorm beschwingtem Songmaterial ab, zelebriert
in allerbester spielfreudiger Finntroll/Equilibrium-Manier. Mit „Kveldridhur“
liegt ein überwiegend begeisterndes Minialbum vor, dessen mitreißend
rauem Charme man sich als Anhänger der in die Pflicht genommenen Stilrichtung
nur schwerlich bis gar nicht entziehen kann. Epik und Atmosphäre werden
zwar auch hier ganz groß geschrieben, aber dominiert wird die Scheibe
ganz klar von inbrünstig flott dargebotenen Mitschunkel-Takten, zu denen
man aber auch die Kackstelzen ausgelassen zappeln lassen kann. Und der gleißende
Zündfunke zu solcherlei entfesseltem Treiben springt gleich mit dem Opener
„Kromlek“ über, welcher der hinreißend epischen Introduktion „Krossa
Marsch“ nachfolgt: Markant-melodisch, immer wieder unerwartet sprunghaft riffend
und offenbar manisch taktfreudig preschen diese vier bajuwarischen Trolle aus
ihrer Deckung hervor, um mit ihrer musikalischen Mischung für ekstatische
Furore zu sorgen – die sich ab dem Mittelteil dieses sehr gut geglückten
Trinker-Liedes anschließenden ruhigeren Hörmomente erzeugen eine
als perfekt zu titulierende Stimmung. Rasch auffallend: Selbst zügigste
Tempowechsel kriegen die mit einer dicken Portion Talent gesegneten Bengel offenbar
besser hin als Fisch das Schwimmen.
Wer sich Viking Metal-Anhänger
nennt und beispielsweise beim vierten Rhythmusknaller „Ode an den Feuergott“
still sitzen bleiben kann, der sollte mal nachsehen, ob ihm nicht heimlich der
Hosenboden auf die Eichenbank genagelt wurde. Vokalisiert wird diese knapp 30minütige
Gute-Laune-Scheibe mit einer gesanglichen Vielfalt, die ihre Wirkung voll entfaltet
– es wird nach vollster Herzenslust hysterisch gekreischt, besessen gefaucht,
gemein gegrollt, erzürnt gebrüllt und auch mal ruhiger vorgegangen.
Selten zuvor wurden Keyboards so dermaßen gut passend und majestätisch
hocherhaben zwischen frohlockende Stromgitarrengewitter und ballernde Trommelsalven
integriert, bemerkenswert. Auch die erstaunlich transparente Produktion geht
für einen Debütdeckel wie diesen vollkommen in Ordnung, da hat man
doch schon weitaus Unbedarfteres vernommen. Und wieder werden, wie auch bereits
kürzlich beim Werk von Thiasos Dionysos, nicht wenige Hobbywikinger lautstark
mit Anti-Parolen wie „Plagiat“, „Kopie“ oder „Finger weg von den Originalen“
skandieren – ich aber behaupte: „Kveldridhur“ zieht dir an manchen Songstellen
die Stiefelsohlen mit einer Leichtigkeit weg, als wären sie vertrocknetes
Herbstlaub im Sturmwind. Los, ein Album her!
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