Review 10/10 Punkte
Hinter
mir liegen gerade einige wahrhaft fantastische Stunden. Verursacht wurde und
wird solcherlei geradezu ekstatisches Hochgefühl durch fünf der allerbesten
Pagan Folk Black Metal-Lieder, die mir seit sehr langer Zeit untergekommen
sind. Zornvokalist Eisenslav und sein treuer Kompagnon Viterzgir haben also
ganze Sache gemacht für ihr neues Nobelalbum „Fimbulvinter“. Zweifellos ein
wertvolles Ausnahmewerk in dieser Richtung, für das eine ergiebige Überdosis an
kochendem Herzblut geopfert wurde. Offenbarten die beiden bereits sehr
eigenständigen Albumvorgänger „Cry To Me, River…“ und „Towards The Firmaments
Verge Of Life...” noch diverse kompositorische Schwächen, so wurden diese nun
aktuell beinahe restlos ausgemerzt. Feierliches Schaffensresultat ist eine
künstlerisch vollkommen in sich geschlossene musikalische Aufführung heidnisch
beseelter Grimmklänge, welcher es weder an abgrundtiefer Dramatik, unstillbarer
Altertumssehnsucht, naturromantischer Verträumtheit noch an zähnefletschender
Aggressivität gebricht. Die beiden verschworenen Naturanbeter und
Plastikkultur-Hasser aus der Ukraine arbeiten auf ihrer neuen Kriegerscheibe
mit stolz angehobenem Schwarzmetallanteil. Die hocherbauliche Kontrastierung
durch enorm reizvolle Folk-Instrumentierungen wird dazu genüsslich explizit
ausgefächert, der Begriff „Vollendung“ kommt mir dabei in den erregten Sinn.
Mittels Maultrommel und Flöte kreieren Kroda also erneut überwältigendes
traditionelles Kolorit, welches wirkungsvollen Stromgitarren- und
Trommelattacken assistiert. Der ohnehin gewohnte Eingängigkeitsfaktor der
typisch kraftvoll-heroischen Melodielinien wurde ebenfalls forciert, was eine
Vielzahl an hymnisch erhebenden Momenten garantiert. Gar herrlich und
aufwühlend zugleich anzuhören sind all die oberbissigen Hasstiraden von
Eisenslav, welche zuweilen von ergebenen Klargesängen abgelöst werden –
Letztere fesseln mich regelrecht, denn soviel Andacht und Inbrunst legen wohl
nur Wenige in ihren Vortrag.
Eine
gleichfalls glaubwürdige wie hochpositive Entwicklung also, die ich von einer
stilistisch linientreuen Truppe wie Kroda auch vollauf erwartet habe. Lyrisch
begibt sich das kompetente Streiterduo neben winterlichen und wölfischen
Erzählungen diesmal auch in den vorgermanischen Themenkomplex der „Wilden
Jagd“: Eine Sage, welche beispielsweise auch als Oskorei, Odensjakt, Aaskereia
oder Asgardrei bezeichnet wird und welche ursprünglich der Ahnenehrung diente.
Nicht selten wird die Wilde Jagd auch als ein Gespenster- beziehungsweise Dämonenmythos
dargestellt – ein entfesseltes Kriegergeisterheer, oft in Begleitung von
bissigen Wölfen, jagt hierbei über den nächtlichen Himmel. Anführer der wilden
Jagd ist Übervater Wotan. Die erfreulich famose grafische Gestaltung dieser
Veröffentlichung zählt zum Anspruchsvollsten, was man in diesem Bereich
überhaupt kennt – Kroda sind bekannt dafür, riesengroßen Wert auf entsprechende
bildhafte Umsetzung ihrer schöpferischen Visionen zu legen. Betrachtet man beim
inniglichen Lauschen des Liedguts also die erneut wunderschönen
Naturfotografien im Begleitheft zu „Fimbulvinter“, steuert man als ernsthafter
Verehrer dieses Metiers wie hypnotisiert den nächsten Wald an, um darin für
einige Zeit zu verschwinden.
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Review by Markus Eck www.Metalmessage.de
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